Walter Idda übergibt bei JHV die Finanzen und den Vorsitz des Vereins
Wer den Werdegang und die Erfolgsgeschichte des privaten Kindergartens in Deisendorf selbst miterlebt hat, oder wer sich für die Historie vom Kinderhaus Storchennest interessiert hat, der kennt ihn. Den „Macher" hinter, und zuletzt auch vor den Kulissen – Walter Idda! Drei Jahrzehnte hatte er in wechselnden Konstellationen die Finanzen fest im Griff, und zuletzt stand er zusätzlich am Steuer des Kinderhauses, welches er auch in schwierigen Zeiten zuverlässig auf Kurs hielt.
Beim Führungswechsel in der letzten Jahreshauptversammlung (JHV) wurde dies erneut deutlich. Und es wird Zeit für einen Rückblick auf seine Verdienste, und die damit verbundene Entwicklung von unser aller Stolz, dem „Storchennest".
Eine beeindruckende Unterschriftensammlung, mitinitiiert im Hause Idda, untermauert den Wunsch der Deisendorfer nach einem Kindergarten im Dorf. Nach erneuter Ablehnung im Gemeinderat 1996, formiert sich aus einer Elterninitiative der Arbeitskreis Kindergarten, der im April 1997 in den kurz zuvor gegründeten „Förderverein Dorfgemeinschaft Deisendorf e.V." (FV) aufgenommen wird. Nun wird das Projekt also auch mit Unterstützung der örtlichen Vereine vorangetrieben.
Der FV erreicht schließlich die Genehmigung zur Nutzung eines Raumes in der Grundschule. Jetzt heißt es Genehmigungen einholen, Planen, Organisieren, Kalkulieren, Abreißen, Aufbauen, Renovieren, Putzen, Einrichten. Engagierte Deisendorfer Bürger arbeiten fleißig und zielstrebig an der termingerechten Fertigstellung des Kindergartens. 30.000 DM Material und 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden werden von FV-Kassier Walter Idda bis September verbucht.
Walter ist handwerklich begabt, und war deshalb sowohl regelmäßig auf der Baustelle, aber auch zuhause in seinem Büro zu finden. Denn hier bereitete er sich als Kassier auf eine komplett neue Aufgabe, den Betrieb eines Kindergartens, vor. Zusammen mit dem Arbeitskreis erstellt er Arbeitsverträge, stellt drei Erzieherinnen ein, und rechtzeitig zum Kindergartenjahr 1997/98 wird vom Jugendamt die Betriebsgenehmigung erteilt.
Bei der Eröffnungsfeier 1997 wird das Erzieherinnen-Team vorgestellt. Und für 15 kleine Buben und Mädchen aus Deisendorf beginnt das Erfahren und Erleben eines Kindergartens im eigenen Dorf, in ihrem gewohnten Lebensraum. Der FV-Vorsitzende Karl-Heinz Ott und Sabine Knepple vom Arbeitskreis danken den vielen engagierten Bürgern und dem souveränen Bauleiter Erwin Hund.
Sie danken auch Kassier Walter Idda, für den die Arbeit nun erst richtig beginnt. Ob ihm da schon bewusst ist, dass er über die nächsten drei Jahrzehnte bei den JHVs nicht nur den Finanzbericht des Fördervereins, sondern auch regelmäßig ein beeindruckendes Zahlenwerk zum Kindergartenbetrieb vorstellen wird?
Die Kinder haben sich eingelebt und stellen ihr »Storchennest«, wenige Wochen nach der Eröffnung, auch der Öffentlichkeit vor. Viele überzeugen sich vom erfolgreichen Verlauf des Projektes: Deisendorf hat einen Kindergarten! Nachdem dieses Engagement im Überlinger Rathaus lange ignoriert wurde, erhält das „Storchennest" 2001 – Isolde Idda ist inzwischen Ortsvorsteherin – erstmalig einen Finanzzuschuss.
Infrastruktur und Ausstattung des Kindergartens »Storchennest« werden in der Folge kontinuierlich ausgebaut und optimiert: ein Holzhäuschen der Fa. Reichle Holzbau, Spielsachen von Spielwaren Birkenmeier, eine selbstgebaute Schaukel von Erwin Hund, eine Kloanlage im Untergeschoss von Erwin Hund und Paul Müller, eine Holzdecke von Walter Idda, eine Wandbemalung von Martin Brodmann usw.
Das »Storchennest« erfreut sich großer Beliebtheit, und 2003 herrscht Platzmangel. Arbeitskreis, Förderverein und Eltern suchen nach Alternativen, und die Idee eines Waldkindergartens wird geboren. Nach der Genehmigung durch die Forstbehörden, und das Landesjugendamt, wird das Projekt Realität. Zur Gruppe der »Jungstörche« gesellen sich nun auch »Waldzwerge«. Ein renovierter alter Bauwagen wird idyllisches Domizil für die Kinder im nahegelegenen Waldgewann Gyrrenberg.
Nach massiver Streichung öffentlicher Zuschüsse wird 2005 die Hausgruppe geschlossen, und die Einrichtung als eingruppiger Waldkindergarten weitergeführt! In den Jahren darauf sind die Kinderzahlen stark rückläufig. 2007 wird das 10-jährige Bestehen gefeiert, und der Waldkindergarten findet wieder mehr Zuspruch. Als die Grundschule auszieht, wird 2009 das Angebot einer Kinderkrippe gestartet, und der Kindergarten wird 2011 umbenannt in „Kinderhaus".
Seit der Gründung hatte sich der Kindergarten gut entwickelt: von 1 auf 3 Gruppen, von 3 auf 12 Erzieherinnen und von 12 auf 50 Kinder. Der FV, als bisheriger Träger, sah deshalb seine Aufgabe als „Geburtshelfer" erfüllt, und beschloss, dass Vorschläge für eine sinnfällige Trennung von Kindergarten- und Vereinsbetrieb erarbeitet werden sollten. Ein Kompetenzteam (Walter Idda, Ronny A. Knepple, Martin Strehl, Michael Wilkendorf) sollte zur nächsten JHV Lösungsvorschläge aufzeigen.
Bei der JHV 2015 folgen die Mitglieder einstimmig dessen Vorschlag: Der FV soll sich künftig wieder auf die dörflichen Aktivitäten und die Vereinskoordination beschränken. Nach 18 Jahren wird der Kindergartenbetrieb (bisher Arbeitskreis Kindergarten) aus dem Förderverein ausgegründet, und in privater Trägerschaft, im Rahmen eines gemeinnützigen Vereins, geführt. Hierzu wird am 11.06.2015 der „Kinderhaus Storchennest Deisendorf e.V." gegründet.
Das Kinderhaus stand fortan auf eigenen Beinen. Doch obwohl ein neues Kapitel in einem neuen Buch aufgeschlagen wurde, konnte diese Transformation fast geräuschlos erfolgen, denn das Kompetenzteam wechselte mit, und als Kassier des neuen Vereins wurde – Überraschung! – Walter Idda in den Vorstand gewählt.
Hier begleitete Walter einige intensive Langzeitprojekte, zunächst als Kassier, und später als Vorsitzender, wie z.B. die komplette Sanierung des Gebäudes, um aktuelle Kindergarten-Mindeststandards zu erfüllen. Die Sanierung ist zwar weitestgehend abgeschlossen, Restarbeiten dauern aber wohl dieses Jahr noch an.
Während der Corona-Krise war unsere Einrichtung ein Lichtblick für die Kinder. Als Vorsitzender agierte Walter ruhig und besonnen. Seine Entscheidungen traf er nicht panisch, sondern evidenzbasiert, wofür ihm Eltern und Mitarbeiter dankbar waren.
Das 25-jährige Bestehen des Kinderhauses konnte 2022 mit der Anschaffung einer spenden-finanzierten, sehenswerten Kletteranlage für die Kinder gefeiert werden. Ebenfalls „unter Dach und Fach bringen" konnte er, nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadt Überlingen, wichtige grundlegende Gebäude-Nutzungsverträge.
Als Co-Geschäftsführer des Bürgerprojektes Solargemeinschaft Deisendorf GbR trieb Walter auch die Übernahme der Photovoltaikanlage auf dem Schuldach, und die künftige Nutzung von Solarstrom durch das Kinderhaus erfolgreich voran.
Die Förderbedingungen von Kindergartenbetrieben im Land Baden-Württemberg hatten sich über drei Jahrzehnte schon mehrfach signifikant verändert. Und auch in seinem letzten Jahr als Vorsitzender musste von Walter hierzu nochmals ein komplexer und kontrovers diskutierter Betriebskosten-Defizitvertrag mit der Stadt Überlingen ausgehandelt werden. Auch diesen konnte er noch unterschriftsreif verhandeln, und er wird nun demnächst von seinem Nachfolger unterzeichnet.
À propos Nachfolger … zu seiner letzten und wichtigsten Aufgabe machte sich Walter eine geregelte Übergabe seiner Aufgaben, und die Nachfolgersuche – beides herausfordernde Unterfangen. Bei Verwaltungsaufgaben wird künftig ein Steuerbüro unterstützen. Und eine Satzungsänderung ermöglichte es dem langjährigen Leiter des Kinderhauses, Markus Müller, für den Vorsitz zu kandidieren. Zusammen mit der bewährten Vorständin Julia-Annik Börger, und mit der neu gewählten Rahel Lehners wurde er in der letzten JHV in den Vorstand gewählt, und führt somit fortan das Kinderhaus „Storchennest" Deisendorf in Personalunion, als dessen Leiter und als Vereinsvorsitzender. Wir wünschen ihm und uns allen viel Erfolg!
Fazit: „Mission completed!" – Entspannt und zufrieden konnte Walter nach der JHV im April nach Hause gehen. Und wir sagen Danke. Danke Walter, für fast 30-jähriges Engagement für unsere Kinder und für unsere Dorfgemeinschaft!
Ronny A. Knepple
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